In der Gartenstadt Neumünsters sind die Fußwege breit und sehr gepflegt. Im Vorbeigehen wird freundlich gegrüßt. Nachbarn stehen auf ihren Grundstücken und unterhalten sich. Aus der Rintelenstraße schallen die Stimmen junger Leute herüber. Der Sonntag ist nachmittags doch recht warm geworden; gutes Wetter, um noch einen Spaziergang zu machen und zu schauen. Vor der Versöhnungskirche stehen Jugendliche im Halbkreis. Hektisches Diskutieren. Zwei junge Mädchen schreien sich an. Einige gehen zögernd an ihnen vorbei. Die Glocken läuten. Ein Gottesdienst, offenbar ein Jugendgottesdienst wird gleich beginnen.
Der Pulk der Jugendlichen schiebt sich weiter. Es geht auf den Eingangsbereich der Kirche zu. Die Auseinandersetzung wird lauter. |
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Jetzt zeigt sich der Grund: Britta, eine elegant gekleidete Yuppi, wird von Nina, einer schrillen Punki angemacht. Einzelne Wortfetzen sind zu hören: "Gleiche Rechte für alle..", "Was hat meine Kleidung mit meiner Meinung zu tun?", "Du bist unmöglich!".
Bald wird klar, dies ist eine gespielte Szene der Ev. Jugend. Sie macht neugierig auf den Gottesdienst. Der wird, wie viele, viele andere an diesem Nordelbischen Jugendsonntag am Nachmittag gefeiert. Die Meisten davon sind gut besucht. Dieser in der Versöhnungskirche ist gut besucht, denn "Singers Project" sind gekommen, das Nordelbische Popularmusik-Ensemble.
Im Gottesdienst geht es bunt zu. Es erinnert an Afrika und Nordamerika. Viel groovige Musik, viel Stimmung, viele Bilder. Ein Gottesdienst im Stehen und zum Klatschen. Eigentlich auch zum Tanzen. Schon von der Musik her, von der Stimmung her. Aber es tanzen nur einige Mädchen zum Schluss, als die Musiker und der Chor ihre Zugaben machen. Zwischendrin besinnliche Gedanken. Ich denke an die Mütter, an die Brüder, an meinen Bruder. Wie verschieden die Menschen doch sind. Wie einzigartig und vielfältig. Ich bekomme wie alle anderen Besucher einen zerbrochenen Spiegel. Bruchstückhaft kann ich damit wahrnehmen. Sehe immer nur einen Teil von mir. Sehe bewusst nur einen kleinen zufälligen Ausschnitt der Umgebung. Ja, wir sehen immer nur einen Teil des Anderen und von uns. Offenbar sind wir unmöglich vollständig.
"Singers Project" laden zum Mitsingen ein. "Mehr als Ja und Amen, mehr als schwarz und weiß...". Anschließend ein bearbeitetes Stück aus Händels Messias: Es ist ein Gospel, der da zu hören ist. Doch im Inneren steigen die aus dem Kirchenchor bekannten Stimmen in einem auf. Nostalgie.
Der Jugendgottesdienst in Neumünster-Gartenstadt am Sonntag, den 18. Juni 2000 geht auf junge Menschen ein. "Alle Linkshänder heben bitte die linke Hand, alle Schwarzfahrer blinzeln sich bitte freundlich an, alle, die ein Handy haben ... schalten es bitte aus!" Lachen. Freundlichkeit, Nachdenken und bei der Zugabe Tanzen. Eine wunderschöne Stimmung in der Versöhnungskirche. Und die Einladung zum Kirchenkaffee am Ende habe ich gerne angenommen. Und auch noch ein kaltes Erfrischungsgetränk. Die jungen Leute sind dann zum Lagerfeuer gegangen, als ich zufrieden mit mir und mit meiner Nordelbischen Kirche auf dem breiten Fußweg an grünen Vorgärten vorbei nach Hause ging. Nun ja, "ich bin unmöglich!"
Klaus-Henry Flemming
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